Presseberichte


 

Jugendfarm wird immer mehr eine Betreuungseinrichtung“

 

Kornwestheimerzeitung, Werner Waldner, vom 08.10.2018

 

 

Kornwestheim - Es hätte kaum besser kommen können: Vor wenigen Wochen erst hat sie ihre Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen. Und gerade jetzt wurde in Kornwestheim die Stelle als Leiterin der Jugendfarm frei. Jugendfarm – das ist genau das Arbeitsfeld, das der 22-jährigen Sophia Koch besonders zusagt und in dem sie auch ihr Anerkennungsjahr absolviert hat. Das Konzept der Jugendfarmen gefalle ihr ausgesprochen gut, sagt die junge Frau. Warum? Wegen des freien Spielens, das sehr wichtig sei, so die gebürtige Altensteigerin.

 

Auf der Jugendfarm in Botnang hat sie einen Teil ihrer Ausbildung gemacht, und in Kornwestheim, wo sie seit dem 1. Oktober arbeitet, war sie gleich gefordert. Das Herbstfest stand am Sonntag auf dem Programm. Dort konnte sie sich Eltern, Kindern und Jugendlichen vorstellen und mit anpacken.

 

Mit einer 75-Prozent-Stelle ist Sophia Koch ausgestattet, außerdem kümmern sich noch ein Erzieher mit einer halben Stelle, ein Absolvent des Bundesfreiwilligendienstes und Aushilfen auf Übungsleiter-Basis um die jungen Besucher der Jugendfarm. Der Jugendfarmverein, so Vorsitzender Michael Schmid am Rande des Herbstfestes, überlege, ob er nicht auch Absolventen der praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin (Pia) beschäftigen könne.

 

Die Jugendfarm sieht er in einem Wandel – weg von einem offenen Angebot hin zur Betreuung im Rahmen der Ganztagsschule oder der Ganztagsbetreuung. Schmid und Koch bedauern, dass der ungezwungene Besuch der Kinder nachlässt, und sie hoffen, Kinder für eine Stippvisite auf der Jugendfarm gewinnen zu können – einfach so ohne Einbindung in eine Gruppe. Früher, erzählt der Vereinsvorsitzende, seien die Jungen und Mädchen mit dem Fahrrad vorbeigekommen und hätten den Nachmittag über auf der Jugendfarm gespielt. Er weiß aber ebenso wie Sophia Koch, dass sich die Bedingungen geändert haben und die Kinder oft erst am späten Nachmittag nach Hause kommen.

 

An drei Nachmittagen in der Woche nutzen mittlerweile die Schulen die Jugendfarm. Schiller-, Silcher- und Philipp-Matthäus-Hahn-Schule kommen mit jeweils 25 Kindern vorbei und greifen auf das Angebot der Jugendfarm zurück. Gespräche mit der Eugen-Bolz-Schule, die gerne vom Freitag auf einen anderen Tag wechseln will, laufen. Die Nachfrage der Schulen ist groß, aber die Jugendfarm kann nicht mehr leisten – weil die Räumlichkeiten für die Schlecht-Wetter-Tage fehlen. Bekanntlich denkt die Einrichtung über ein festes Haus nach – und darüber, wie das finanziert werden kann. Schmid geht von Kosten von über 200 000 Euro aus. Eine fünfstellige Summe liegt – dank einer größeren Spende des Lions-Clubs – zwar schon auf dem Sparbuch, aber noch fehlt ein Großteil des Geldes. Schmid hält diesen Bau für unabdingbar, wenn die Jugendfarm ein verlässlicher Partner der Schulen sein will und wenn es einen Ganzjahresbetrieb im Moldengraben geben soll.

 

Beim Herbstfest konnten sich die Kinder an diversen Stationen vergnügen, beim Nabu in verschlossene Pappkartons greifen, um zu ertasten, was sich darin verbirgt, bei der Jugendfeuerwehr mit Wasser spritzen oder auf den Pferden Brokat und Sam reiten. Dafür bildeten sich schon kurz nach deren Eintreffen lange Schlangen. Die Eltern konnten sich am Ehrenamtsstand darüber informieren, wie sie dem Jugendfarmverein unter die Arme greifen können – durch eine Mitgliedschaft oder ehrenamtliches Engagement auf der Farm.

 

Sophia Koch knüpfte an diesem Tag viele Kontakte – nicht nur zu den Schafen, Ziegen, Hühnern und Enten, sondern auch zu den Eltern und Kindern. Was wird sich ändern? Darüber zu sprechen, dafür sei es noch viel zu früh, antwortet sie. Sie denke aber darüber nach, ein Monatsprogramm anzubieten, damit sich die Jungen und Mädchen auf das Geschehen einstellen können. Wer lieber frei spielen oder sich um die Tiere kümmern will, auch der sei natürlich willkommen, betont die neue Leiterin.

 


„Die Kinder wünschen sich die Farm-Ritterburg“

 

Kornwestheimerzeitung, Eva Tilgner, vom 19.09.2018

 

 

 

 

Kornwestheim - Einen Platz zum Chillen, den brauchen wir“. Daran lassen die Jugendlichen der Jugendfarm Kornwestheim keinen Zweifel. Die Planungen für den Ersatz der Sanitär-, Büro und Aufenthaltscontainer, die seit der Gründung der Jugendfarm im Jahr 1999 genutzt werden, laufen an. „Wir stehen ganz am Anfang und begeben uns intensiv auf Sponsorensuche“, kündigt der 1. Vorsitzende der Jugendfarm Kornwestheim an, Michael Schmid. Mit einer Spende des Lions-Clubs Kornwestheim von über 10 000 Euro hat Michael Schmid nun insgesamt 50 000 Euro zusammen. „Wie bei allen unseren Bauprojekten werden wir soviel wie möglich an Eigenleistung einbringen“, sagt Schmid. Auf bis zu 250 000 Euro – einschließlich der Planungskosten für den Architekten – schätzt Schmid die Kosten für den Neubau.

 

 

 

Und für den gibt es schon gezeichnete Vorschläge der Kinder, sogar ganz fantastische – wie Christiane Fackler, die pädagogische Leiterin der Jugendfarm Kornwestheim, findet: Wie zum Beispiel ein Haus in Form einer bunten Kugel, Wasserbetten, und ein Proberaum. Den Erzieherinnen sei wichtig, dass der Charakter der Jugendhüttenfarm auch mit einem größerem Gebäude erhalten bleibt. „Wir haben dann mit den Kindern besprochen und sortiert, was realistisch ist und was nicht,“ erzählt Fackler. Die Ritterburg schließlich ist es, die sich als konkreter Wunsch für ihr neues Aufenthaltsgebäude bei den Kindern und Erziehern durchgesetzt hat.

 

 

 

Seit diesem Sommer hängt die Burg nicht nur als Kinderzeichnung, sondern auch als architektonische Skizze in der Jugendfarm aus. Entworfen hat sie der Architekt Kai Pieper, der Fachmann ist im doppelten Sinne: Als Kind sprang er selbst in der Jugendfarm herum. „Wir haben dort immer unsere Hütten gebaut“, erinnert er sich. Jetzt kann es sein, dass Pieper, der momentan in Basel in einem Architekturbüro arbeitet, tatsächlich ein zehn mal vierzehn Meter großes Gebäude auf der Jugendfarm errichtet. Bis zu 50 Kinder sollen dort zukünftig ein- und ausgehen, ihre Hausaufgaben machen und ein Mittagessen bekommen.

 

 

 

Die Jugendfarm hat mehr Zulauf als zu ihren Anfängen: „Wir brauchen eine größere Küche und mehr Platz für Büro- und Schularbeiten“ gibt Michael Schmid dem Architekten vor. Kai Pieper fügt deshalb in seinem Plan auf der relativ großen Grundfläche – die an der gleichen Stelle liegt wie die jetzigen Container – gleich drei Gebäudeteile aneinander: Einen Riegel für Sanitär, einen Riegel mit Küche und Büro und einen dritten Gebäudeteil mit Aufenthaltsfläche auf zwei Geschossen. Durch diese Aufteilung will er im Erdgeschoss alles unterbringen, was mit Arbeit, Essen und Hausaufgabenbetreuung zusammenhängt.

 

 

 

Nur an einer Stelle wächst das Gebäude in ein zweites Geschoss“, erklärt Pieper. Mit seinem Entwurf vom Obergeschoss wird der Traum von der Ritterburg wahr: Das ersehnte Turmzimmer zum Chillen ist mit einer großen Fensterfront versehen und umgeben von einer begrünten Dachterrasse. Pieper kann sich genau vorstellen, was dort passieren wird: „Mädchen und Jungen sitzen mit Limonade im Liegestuhl und spielen Burgherr und Burgfräulein.“

 


 

„Vielseitige Arbeiten auf der Jugendfarm“

 

Kornwestheimerzeitung, Katharina Keck, vom 10.04.2017

 

 

Kornwestheim - Tiere versorgen, Bauprojekte verwirklichen und Kinder betreuen. So unterschiedlich sind die Aufgaben, die es bei der Arbeit auf der Jugendfarm zu erledigen gibt. Zur Zeit leistet Jaqueline Hennig Bundesfreiwilligendienst auf dem Abenteuerspielplatz im Moldengraben. „Ich habe vorher schon während meiner Schulzeit hier auf der Jugendfarm gearbeitet“, erzählt sie, „da habe ich einfach gefragt, ob ich hier ‚Bufdi’ werden kann. Jetzt bin ich 100 Prozent miteingebunden.“

 

Doch nun beginnt für die junge Frau ein neues Kapitel: Sie beendet den Bundesfreiwilligendienst im April, da sie dann in ihr Jurastudium startet. „Dass die Bufdis später eine ganz andere Richtung einschlagen, ist kein Einzelfall“, erklärt Christiane Fackler, die Leiterin der Jugendfarm, „die meisten Leute kommen nicht, um die pädagogische Laufbahn zu testen, sondern um ein Jahr zu überbrücken.“

 

Die Jugendfarm sucht jetzt schon eine oder einen neuen Bufdi, üblicherweise für den Zeitraum von September bis August. „Das Besondere bei uns ist, dass es nicht nur eine Aufgabe gibt. Neben der Kinderbetreuung gibt es viele andere Tätigkeitsfelder, wie zum Beispiel Hütten bauen, kochen, Gartenarbeit oder sich um die Versorgung der Tiere kümmern“, sagt Fackler. So können die Mitarbeiter herausfinden, was ihnen am besten liegt.

 

Einen speziellen Bereich gibt es für Jaqueline Hennig allerdings nicht. Sie mistet die Ställe, spielt mit den Kindern oder repariert schon mal die Heizung. „Das gemeinsame Kochen ist bei den Kindern auch beliebt, da in einigen Haushalten nicht mehr viel gekocht wird“, fügt Christiane Fackler hinzu.

 

Diejenigen, die sich für den Bundesfreiwilligendienst interessieren, können sich direkt auf der Jugendfarm bewerben und sich dabei am besten schon mal das Gelände anschauen. Dort gibt es Ziegen, Schafe, Hühner und Enten, die von den Kindern gestreichelt oder gefüttert werden können. Auf dem Platz verteilt stehen kleine Holzhütten, die die Jungen und Mädchen zum großen Teil selbst gebaut haben. „Wir geben den Kindern die Möglichkeit, sich selbst beschäftigen zu können“, beschreibt Fackler das Angebot. Aber gemeinsames Basteln oder Spielen, auch zusammen mit den Betreuern, gibt’s selbstredend ebenso. Gerade zu Ostern werden gemeinsam Eier bemalt oder Osterlämmer gebacken. Wenn die Kinder selbst Ideen für Aktionen haben, können sie diese vorschlagen und es wird geschaut, dass diese aufgegriffen werden. „Wir sind weniger Leiter für die Kinder, sondern vielmehr Partner, und bieten Hilfestellungen“, erklärt Hennig.

 

Die Arbeitszeiten sind in den Ferien von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr, sonst Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, im Winter nur bis 17 Uhr. Aber auch am Sonntag muss jemand vorbeischauen und die Tiere füttern. Es ist ein Full-Time-Job, der Jaqueline Hennig viel Spaß macht. Auch Christiane Fackler ist zufrieden: „Jaqueline ist sehr zuverlässig und vielseitig. Das ist nicht selbstverständlich.“

 


„Es gibt einfach Kinder, die gehören in die Natur“

Kornwestheimerzeitung, Susanne Mathes, vom 28.04.2016
Michaela Lauxmann und Pascal Fuchs vom Jufa-Vorstand, Kornelia Schwind und Jürgen Rohleder vom Fachbereich Kinder, Jugend, Bildung, Cornelia Sattler und Heike Hohenreuther vom Gesamtelternbeirat (hinten, von links) sowie Jufa-Vereinsvorsitzender Michael Schmid und Jufa-Leiterin Christiane Fackler. Foto: Susanne Mathes
Michaela Lauxmann und Pascal Fuchs vom Jufa-Vorstand, Kornelia Schwind und Jürgen Rohleder vom Fachbereich Kinder, Jugend, Bildung, Cornelia Sattler und Heike Hohenreuther vom Gesamtelternbeirat (hinten, von links) sowie Jufa-Vereinsvorsitzender Michael Schmid und Jufa-Leiterin Christiane Fackler. Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - Anfragen von Eltern gibt es immer wieder, berichtet die Kindergartenzuständige Kornelia Schwind: Hat denn Kornwestheim keinen Wald- oder Naturkindergarten? Für einen Waldkindergarten sind die Voraussetzungen mangels Wald denkbar schlecht. Ein Naturkindergarten aber müsste machbar sein – und zwar auf einem Gelände, das alles bietet, was es für so eine Einrichtung braucht: auf der Jugendfarm im Moldengraben.

Diese vor zwei Jahren schon einmal intern gewälzte Idee ist nun wieder auf dem Tapet. Sowohl der Jugendfarmverein als auch die Stadtverwaltung und der Gesamtelternbeirat für Kindergärten, Kindertagesstätten und Horte wünschen sich eine solche Einrichtung. „Inzwischen gibt es sie in fast jeder Kommune“, sagt Kornelia Schwind. Mit den Watomi Naturkids beispielsweise seit Kurzem auch für Pattonviller Kinder. Für diesen Naturkindergarten haben sich Eltern zusammengeschlossen und einen Verein gegründet.

Eine solche Initiative erhofft man sich in Kornwestheim auch – engagierte Familien, die sich um Punkte wie Betriebserlaubnis, Konzeption und Rechtsfragen kümmern und die Sache ins Laufen bringen. Denn, das stellt Jufa-Vorsitzender Michael Schmid klar: „Platz haben wir mit 1100 Quadratmetern genug, die Infrastruktur auch. Aber wir als Ehrenamtliche können nicht auch noch einen Kindergarten auf die Beine stellen.“

Und auch die Stadt sieht sich für so ein Konzept nicht als prädestiniert, obwohl sie es schätzt und unterstützen würde. „Es gibt einfach Kinder, die gehören in die Natur“, findet Kornelia Schwind. Kinder mit einem ausgeprägten Bewegungs- und Entdeckerdrang, Kinder, die mit Steinchen, Holz, Pfützen und Tieren glückselig sind: Für sie sei ein solcher Kindergarten perfekt. Aber es brauche dafür eben auch Eltern, die aus einem besonderen Holz geschnitzt seien und bewusst Einsatz brächten. „Das lässt sich nicht gut in die städtischen Strukturen einfügen“, sind sich Schwind und Fachbereichsleiter Jürgen Rohleder sicher.

Pascal Fuchs, zweiter Vorsitzender des Jufa-Vereins, kommen als potenzielle Initiatoren Krabbelgruppen-Eltern in den Sinn, deren Sprösslinge noch in keiner Einrichtung sind. „Wenn man ein Kind erst mal in einem Kindergarten hat, wechselt man normalerweise nicht mehr.“ Dann entfalle auch der Anlass, einen Naturkindergarten anzustoßen. Jugendfarm-Leiterin Christiane Fackler – sie bringt Erfahrungen aus einem Schulbauernhof und einem Waldkindergarten mit – wirft ein, dass auch die Themen Inklusion und besondere Bedarfe in einem Jugendfarm-Naturkindergarten „kein Problem“ wären.

Das Jufa-Team schaut bei der Idee auch in die Zukunft: Die Naturkindergartenbesucher von heute wären vielleicht die Jugendfarm-Besucher von morgen. Auf dem Platz ist zwar nachmittags immer etwas los – aber das offene Kommen und Gehen hat nachgelassen. Die Kinder sind durch veränderte Schulmodelle stärker eingespannt. Andererseits kommen sie dafür nun im Rahmen von Ganztag oder AGs auf die Farm. Auch mit Kindergärten und Tagesmüttern laufen einige Kooperationen. Aber ein eigener Kindergarten auf dem Gelände: „Das wäre eine echte Chance für Kornwestheim“, sind sich die Beteiligten einig.


Die neue Leiterin bringt Erfahrung mit

Kornwestheimerzeitung, Marius Venturini, vom 03.08.2015
Christiane Fackler hat auch ein Auge auf die Jugendfarm-Hühner. Foto: Marius Venturini
Christiane Fackler hat auch ein Auge auf die Jugendfarm-Hühner. Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Mit den Hühnern ist das gerade so eine Sache“, sagt Christiane Fackler, während das braune und weiße Federvieh auf dem Platz vor dem Container-Bungalow pickt und scharrt. Zwei Neuzugänge gebe es momentan bei den Tieren. „Und da müssen wir aufpassen, dass die sich nicht prügeln.“

Seit wenigen Wochen leitet Christiane Fackler die Kornwestheimer Jugendfarm und ist damit Nachfolgerin von Marco Puggioni, der die Einrichtung kurzfristig verlassen hat. Die 36-Jährige stammt ursprünglich aus Bonn, hat eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert und im Anschluss auf einer Jugendfarm gearbeitet. Das war im Jahr 2003. „Allerdings wurde es mit diesem Gehalt etwas schwierig, und so habe ich mich entschieden, ein Studium dranzuhängen.“ Dieses absolvierte sie in Bielefeld, seitdem ist Christiane Fackler diplomierte Sozialpädagogin mit Schwerpunkt Umweltpädagogik. Bereits während des Studiums arbeitete sie auf einem Schulbauernhof mit, ebenso jobbte sie auf einem Segelschiff, dem 36 Meter langen Zweimaster „Lovis“, der auf Nord- und Ostsee als schwimmendes Seminarzentrum dient.

Nun also die Kornwestheimer Jugendfarm. Dort habe sie einen sehr positiven ersten Eindruck gewonnen, als sie ihren Posten angetreten habe. „Sowohl von den Vereinsmitgliedern als auch von den Mitarbeitern und dem Gelände insgesamt.“ Es sei förmlich zu spüren, dass hier „jeder mit Herzblut dabei ist“. Das unterscheide die Kornwestheimer „Jufa“ von vielen anderen, die eher den Eindruck eines Streichelzoos oder eines Sponsorenprojekts machten. „Das große Engagement der Beteiligten merkt man hier schon.“ Es sei ein komplett anderes Flair als bei ihrer Jugendfarm-Station in Bonn.

Auch die Kinder hießen sie herzlich willkommen, allerdings benötigten sie eine kurze Eingewöhnungsphase. „Vielleicht war es auch etwas schwierig für sie, da es von meinem Vorgänger keinen richtigen Abschied gab“, vermutet Christiane Fackler, die außerdem Erfahrung aus ihrer jahrelangen Tätigkeit bei den Pfadfindern mitbringt. Für die Kornwestheimer Jugendfarm hat sie kein klares Ziel – es sei vielmehr ein situationsorientierter Ansatz, wie sie es nennt. „Was brauchen und wollen die Kinder? Wie können wir es im Rahmen der Möglichkeiten realisieren?“, fragt sie. Außerdem sei sie selbst sowie die anderen Betreuer wie Sophia Mertz oder FSJler Niklas Ahrweiler stets mit einem offenen Ohr zur Stelle, falls sich die Kinder etwas von der Seele reden wollen.

Und natürlich liegen ihr die Tiere am Herzen. „Zu sehen, wie unkompliziert das hier alles funktioniert, ist toll“, sagt sie. Etwa, wenn ein Kind auf die Jugendfarm komme, das noch nie zuvor im echten Leben ein Huhn, ein Schaf oder eine Ziege gesehen habe. Allerdings bereite auch das Bauen einer Hütte oder – ganz aktuell – der Bau eines Planschbeckens genau so viel Spaß.

Bleibt neben ihrer Tätigkeit auf der Jugendfarm noch Zeit, widmet sich Christiane Fackler einem ihrer Hobbys: Lesen oder etwa Nähen. „Kochen und Backen gehört auch dazu“, verrät sie. Ein Talent, dass sie auf der Jugendfarm künftig häufiger einbringen wird. „Von zwei bis 2500 Leuten bekomme ich alle satt“, sagt sie und lacht.


Jugendfarm: Nachfolger gesucht

Kornwestheimerzeitung, Marius Venturini, vom 22.04.2015
  Foto: Marius Venturini
Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Noch läuft das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) von Niklas Ahrweiler. Bis Mitte August ist er noch derjenige, der auf dem Gelände im Moldengraben als Erster auf dem Platz ist und als Letzter wieder geht. Der 19-Jährige besetzt momentan die einzige 100-Prozent-Stelle, die bei der Jugendfarm derzeit existiert. „Dieses Konstrukt ist sicher nicht die ideale Lösung“, findet Sophia Merz, die eine 50-Prozent-Stelle bei der „Jufa“ innehat.

Obwohl der 19-jährige Niklas Ahrweiler noch vier Monate seinen Dienst verrichtet, läuft bereits die Suche nach einem Nachfolger. Denn im vergangenen Jahr gestaltete sich die Besetzung der Stelle enorm schwierig. Kandidaten erwiesen sich als unzuverlässig oder schlicht ungeeignet. Denn: „Wetterfest muss man schon sein“, wie Niklas Ahrweiler berichtet. Lange Zeit sah es so aus, als würden Sophia Merz und der zweite Hauptamtliche, Marco Puggioni, zur traditionellen Sommerfreizeit am Ferienende ohne einen FSJler dastehen.

Was Puggioni damals besonders ärgerte: „Es wird alles immer unverbindlicher. Da machen Leute einen Probetag aus und kommen dann nicht, sie antworten nicht auf Nachrichten auf dem Anrufbeantworter oder sie lassen sogar ihre Eltern für sich anrufen.“ Und die Bewerber, die sich seinerzeit für die Stelle interessiert hatten, seien allesamt „nicht sonderlich überzeugend“ gewesen.

Da kam der Kornwestheimer Niklas Ahrweiler gerade recht – wenn auch kurz vor knapp. Er ist selbst ein ehemaliges Jugendfarm-Kind, bis vor seinem FSJ hat er ein zweijähriges Berufskolleg an der Akademie für Kommunikation in Stuttgart absolviert. Nach seiner Zeit auf der Jufa soll ein Produktdesign-Studium folgen. Dass er ein Auge für Außergewöhnliches hat, hat Niklas Ahrweiler bereits bewiesen: Vor Kurzem hat er, gemeinsam mit den Kindern, aus alten Paletten schicke Sitzmöbel gezimmert.

Aber als FSJler auf der Jugendfarm muss er natürlich auch einen Blick für die Tiere dort haben. „Wir brauchen jemanden, der ein Gefühl dafür hat und im Fall der Fälle auch gleich sagen kann: ‚Oh, das Huhn da ist heute vielleicht etwas komisch drauf’“, stellt Sophia Merz gleich eine Anforderung an kommende Bewerber. Natürlich müsse der- oder diejenige auch verantwortungsbewusst und teamfähig sein.

Bis Mitte April hatte das Jufa-Team bereits einige Bewerbungen. Die Interessenten wenden sich dafür an die Arbeiterwohlfahrt (Awo). „Eine junge Frau war auch schon hier bei uns“, sagt Sophia Merz. Und weiter: „Es ist egal, ob Mann oder Frau. Er oder sie muss einfach Bock drauf haben, hier zu sein.“

Das hat Niklas Ahrweiler nach wie vor. Nicht nur auf die Arbeit mit Kindern, den Tieren und dem restlichen Team. Auch auf die Seminare, die von der Awo angeboten werden. „Man findet zu sich selbst“, sagt der FSJler, „man findet Stärken und Schwächen heraus.“ Indem man etwa seinen bisherigen Lebensfluss aufschreibe. „Er kommt immer ganz begeistert zurück“, versichert Sophia Merz.

Sie wünscht sich derweil noch immer einen festangestellten Mitarbeiter für die Jufa – ist sich aber darüber im Klaren, dass dies bei der momentanen städtischen Kassenlage nicht realistisch ist.


Von harten Kerlen und flauschigen Küken

Kornwetheimerzeitung, Birgit Kiefer, vom 03.04.2014
Sophia Mertz fühlt sich schon wie daheim auf der Jugendfarm. Foto: Birgit Kiefer
Sophia Mertz fühlt sich schon wie daheim auf der Jugendfarm. Foto: Birgit KieferKornwestheim - Es wurde ihr wohl quasi in die Wiege gelegt: Die Eltern schleppten Sophia Mertz schon von klein auf zum Klettern nach Spanien oder Frankreich. „Da habe ich die Mäuse gefüttert“, erzählt die 25-Jährige heute. Die Mutter ist Erzieherin, erfreute schon früher mit dem Spielmobil in Waiblingen Kinder. Jetzt ist Sophia Mertz für ein Jahr bei der Jugendfarm gelandet. Dort verbindet sich für sie alles, was sich bei ihr schon früh abgezeichnet hat: die Tierliebe und die Begeisterung für offene Kinderarbeit.

Eine 50-Prozent-Stelle besetzt die junge Frau seit Februar dieses Jahres als Elternzeitvertretung. Den Kindern auf dem Gelände ist sie schon gut bekannt. „Es gab hier überhaupt keinen Bruch“, schwärmt Marco Puggioni, der Hauptamtliche der Jugendfarm. Mertz kenne sich schon bestens in der offenen Kinder- und Jugendarbeit aus und habe das nötige Grundverständnis mitgebracht.

Kein Wunder. Schon früh fing Mertz an, in der Kletterhalle Kindergeburtstage zu betreuen, half bei Ferienfreizeiten und ähnlichem mit. Ein Praktikum absolvierte sie auf dem Aktivspielplatz in Waiblingen und eines bei der Diakonie Stetten, wo sie mit Schwerstbehinderten arbeitete. „Aber an die offene Kinder- und Jugendarbeit habe ich mein Herz verloren“, schwärmt die junge Frau, die aus Filderstadt stammt und jetzt in Waiblingen wohnt. An zwei Tagen die Woche ist sie vor Ort in Kornwestheim. Ansonsten macht sie eine berufsbegleitende Weiterbildung in der Wedemark bei Hannover am Institut für soziales Lernen.

Dort bietet sich ihr nämlich eine besondere Möglichkeit: Sie wird zur Fachkraft für tiergestützte Therapie, Pädagogik und Fördermaßnahmen. Der besondere Clou aber ist, dass an dem dortigen Institut die Zusatzqualifikation für alle Nutztiere abgelegt wird. „Hier in der Gegend hätte ich sie nur für Hunde und Pferde machen können“, so die 25-Jährige. Bei einer Freundin, die die Ausbildung bereits hinter sich hat , hospitiert sie derzeit – mit Alpakas. Sie stellt aber sofort klar: bespuckt hätten die sie noch nie. Wenn sich die Tiere wohl fühlten, gäbe es da nämlich keine solchen Probleme.

In Schwäbisch Hall hat Sophia Mertz an der evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin absolviert. Während ihres Anerkennungsjahres war sie auf dem Abenteuerspielplatz in Fellbach beschäftigt. Ein weiteres Jahr blieb sie da und musste gleich Leitungsaufgaben übernehmen, da die bisherige Leiterin aufhörte. Mit 10 000 Quadratmetern sei der Abenteuerspielplatz aber eher klein gewesen, außerdem liege er etwas abseits, weshalb aufgrund der Ganztagsschulen die Kinder plötzlich weg blieben. „In meiner Jahresarbeit für die Erzieherausbildung habe ich dann auch über die veränderte Kindheit heute geschrieben“, erzählt die junge Frau. Tiere seien für Kinder auch ganz wichtig. Sophia Mertz berichtet, wie sie – während der Arbeit als pädagogische Fachkraft auf dem Sonnenhof – mal erlebt habe, wie „so harte Kerle“ plötzlich ganz weich wurden, als sich ein frisch geschlüpftes Küken vertrauensvoll in ihre Hand kuschelte. Da freut sie sich noch heute darüber.